Der Bestatterberuf

Zum Bestatter geboren/ Bestatter aus Passion
Wer Dennis Götz (19 Jahre) das erste Mal trifft, begegnet einem jungen Mann, der zwar wie 19 aussieht, aber die Ausstrahlung eines Menschen mit großer Lebenserfahrung hat. Ein „Helfertyp“ sei er, antwortet er auf die Frage, warum er Bestatter werden möchte. „Gleichaltrige können meine Berufswahl zu 90 Prozent nicht verstehen“, schränkt er betrübt ein. „Bestatter ist aber ein schöner Beruf – eine Berufung vielleicht  – das möchte ich vermitteln“, nennt der Azubi bei Bestattungen Knapp seine Intention. Bereits während seiner Schulzeit hatte er seine Berufswahl getroffen und wie so oft, gab eine einschneidende Erfahrung den Ausschlag. „Durch einen Trauerfall in der Familie bin ich auf den Beruf des Bestatters aufmerksam geworden. Bei der Beerdigung hat einfach gar nichts gepasst. Da dachte ich mir, das könnte man besser machen. Nach einem Praktikum war für mich klar, dass ich eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft machen möchte.“

Sein aktueller Arbeitgeber hat ihn eingestellt, obwohl eigentlich gar nicht geplant war, einen Azubi einzustellen. „Aber er hat sich so gut eingefunden, dass wir ihm eine Chance geben wollten“, erklärt Uwe Knapp. „Dennis macht so viele kleine Dinge richtig, die man nicht lernen kann – das hat man oder man hat es nicht“, ergänzt er. Auf Grund der langen Arbeitszeiten mit 24 Stunden Bereitschaft sind Bestattungsunternehmen meist Familienbetriebe, da Angestellte selten bereit sind, so lange Arbeitszeiten zu akzeptieren. Für Dennis Götz ist das kein Problem. Er will Bestatter werden. Ein sehr guter sogar. Keiner der reich wird, sondern einer, der seinen Job gut macht. Wer mit ihm spricht merkt schnell, dass Nützlichkeitserwägungen seine Sache nicht sind. „24 Stunden Bereitschaft – na und? – sterben kann man eben nicht planen. Und wenn jemand gestorben ist, braucht man einen Bestatter. Und dieser Bestatter ist Psychologe und Kaufmann. Innerlich stark und geduldig muss er sein, und in emotionalen Situationen klar denken können. „Er stellt sich hinten und verhält sich wie ein lieber Nachbar“, präzisiert Uwe Knapp während Dennis Götz nickt.


Keine Gruftis
Bestatter kümmern sich zwar um Verstorbene, sind aber keine Gruftis: „An dem Vorurteil, dass viele Bestatter Gruftis sind, ist absolut gar nichts dran“, betont Dennis Götz. „Nicht einer meiner Klassenkameraden ist so – obwohl wir eine bunte Truppe mit Leuten zwischen 15 und 45 Jahren sind“, ergänzt er. „Auch das Vorurteil, dass eine würdige Beerdigung viel Geld koste, stimme nicht, sagt er Knapp mit Nachdruck: „Eine gelungene Beerdigung ist keine Frage des Geldes. Wichtig sind stattdessen: Die Angehörigen, die Musik, die Abschiedsworte und die Versorgung des Toten.“

Veränderungen
Im Bestattungsgewerbe drehen sich die Mühlen zwar eher gemächlich. Aber auch hier gibt es Veränderungen:  „Traueranzeigen haben sich positiv gewandelt. Es gibt weniger gestelzte Formulierungen, sondern die Texte spiegeln heute mehr das Leben des Verstorbenen wieder“, betont Knapp. Auch die veränderte Demografie bringe Veränderungen mit sich: Urnengräber sind einfacher zu pflegen und daher sehr beliebt, da die Familien heute kleiner sind und oft weit verstreut wohnen.


Hintergrund: Organisieren und zuhören
Das Berufsfeld des Bestatters reicht von der Überführung der Leiche vom Sterbeort, über die hygienische Totenversorgung, kosmetische Behandlung und Einkleidung, Einbettung in einen Sarg bis zum gesamten Arrangement einer Bestattung mit Trauerfeier und der Beisetzung von Sarg oder Urne. Es gibt hauptsächlich zwei Bestattungsarten, die Erdbestattung und die Feuerbestattung. Die Aufgaben eines Bestatters unterteilen sich in zwei Phasen: Die erste Phase reicht von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Aufbahrung des Verstorbenen. Die zweite Phase ist die Trauer- und Beisetzungsphase. In Deutschland waren im Jahr 2012 5.244 registrierte Bestattungsunternehmen mit einem Umsatz einschließlich der Friedhöfe und Krematorien von etwa 16 Milliarden Euro tätig. mw

 

Autor: Andreas Tschürtz

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