Ein würdiger Rahmen

Die Bestattung soll dem Verstorbenen wie den Angehörigen gerecht werden

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 860 000 Menschen. Bedingt durch die demografische Entwicklung nimmt die Zahl der Todesfälle tendenziell eher zu. Mit einem Anteil von 54,5 Prozent haben nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter (BDB) in Düsseldorf Feuerbestattungen die vor 20 Jahren noch übliche Erdbestattung als gebräuchlichste Form abgelöst. Für diese entscheiden sich etwa 45,5 Prozent der Menschen. Mit dem Wandel verbunden ist eine Zunahme der Möglichkeiten zur Beisetzung – in Urnengräbern auf dem Friedhof, in einer Grabeskirche, also einem Gotteshaus, in dem Urnenplätze angeboten werden, auf Waldarealen oder im Rahmen einer Seebestattung. Jedoch seien „nicht alle modernen Trends im Nachgang einer Bestattung für Angehörige psychologisch tragfähig, auf Dauer für die Familie hilfreich und preislich angemessen“, gibt der BDB zu bedenken. Der Dachverband repräsentiert rund 80 Prozent der rund 4000 Bestattungsunternehmen in Deutschland. So sei beispielsweise die anonyme Seebestattung nicht für jeden sinnvoll, um die Trauer zu verarbeiten. Denn die anonyme Beisetzung nimmt Angehörigen jegliches äußere Zeichen ihrer inneren Verbundenheit, wie es etwa ein Grab auf dem Friedhof darstellt – ein Ort, der es möglich macht, das Leben mit dem Verstorbenen zu reflektieren.
Darum sollten auch nicht allein die Kosten den Ausschlag für die eine oder die andere Begräbnisform geben, erläutert der BDB. Damit wendet sich der Verband einerseits – was wenig verwundert – gegen eine Geiz-ist-Geil-Mentalität, die längst auch Einzug in die Kultur des Abschiednehmens gehalten hat. Andererseits gilt aber auch nicht der Grundsatz: Je teurer desto besser. „Man sollte sich immer die Frage stellen, ob die Bestattung zu dem Leben des Verstorbenen passt und ihm gerecht wird“, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. Daneben darf das Begräbnis natürlich auch die Bedürfnisse der Angehörigen nicht unbeachtet lassen. Erwägungen, wie den Aufwand für die Grabpflege gering zu halten, mögen unter rein praktischen Gesichtspunkten durchaus naheliegend sein – sie isoliert in den Vordergrund zu stellen, kann jedoch kontraproduktiv auf die Trauerverarbeitung wirken.
Teuer ist ein Begräbnis übrigens nicht allein aufgrund einer würdevollen musikalischen Umrahmung oder wegen des Honorars des Bestatters. Dominic Akyel, Wirtschafts- und Kultursoziologe am Max Planck Institut für Gesellschaftswissenschaften in Köln, sagt: „Die teuersten Einzelpositionen, das ist auch interessant zu wissen, bei einer Bestattung sind die Beisetzungs- und Grabnutzungsgebühren, der Sarg und der Grabstein.“   

Autor: Andreas Tschürtz

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