Friedwald - Zurück zur Natur

Von Andreas Tschürtz

Es war im Jahr 1993, als der Schweizer Ueli Sauter von einem guten Freund für immer Abschied nehmen musste. Infolge entwickelte er eine Idee, die das Bestattungswesen in den zurückliegenden 20 Jahren nachhaltig verändert hat: Denn Sauter erfand den Friedwald, jene Bestattungsform also, bei der biologisch abbaubare Urnen unterhalb einer Bamwurzel im Wald vergraben werden, und die sich auch jenseits der Schweiz immer größerer Beliebtheit erfreut. „So würde aus den Nährstoffen der Asche neues Leben entstehen können“, erklärt der heute 73-Jährige seine damaligen Beweggründe. „Der Abschied von meinem Freund war zwar schmerzhaft. Für mich lebt er aber symbolisch in diesem Baum weiter, und es ist tröstlich für mich, über dieses Sinnbild das Zwiegespräch mit ihm weiterführen zu können.“
Sauter trifft mit dieser naturverbundenen Form der Bestattung den Nerv der Zeit. Seine Friedwald GmbH wird so erfolgreich, dass er 2001 sein Marken- und Patentrecht auch nach Deutschland verkauft, zwischenzeitlich gibt es über 50 Standorte, in der Schweiz rund 70. Und damit nicht genug: Längst haben auch Kommunen und private Waldbesitzer die Idee des Freiland-Friedhofs aufgegriffen und bieten auch unter anderen Namen wie „Ruheforst Jagsthausen“ oder Waldfriedhof Künzelsau-Schloss Stetten“ Ruhestätten unter Bäumen an.

Die Idee des Friedwaldes: Der Verstorbene lebt symbolisch in dem Baum weiter. Foto: Zerbor/Fotolia

Die Idee des Friedwaldes: Der Verstorbene lebt symbolisch in dem Baum weiter. Foto: Zerbor/Fotolia

Im Zeitgeist

Für die Kulturwissenschaftlerin Barbara Happe ist diese Entwicklung nicht verwunderlich: „Der Wald, der sich als Chiffre für die unberührte Natur anbietet und zur Projektionsfläche für Zivilisationsmüdigkeit und Stadtfeindlichkeit wird, fängt all die Kritik auf, die man als Friedhofsmüdigkeit bezeichnen kann: Hierzu gehören der Überdruss an der Sozialkontrolle bei der Grabpflege und -gestaltung und an normierten Verhaltensregeln.“
Zu beachten ist allerdings, dass ein Friedwald Teil eines natürlichen Waldes und damit frei zugänglich für alle Waldbesucher ist. Das hat einmal zur Folge, dass Bestattungen im Wald in der Regel schlicht ausfallen. Es ist nicht erlaubt, Kerzen, Bilder oder Blumen auf die Wurzeln der Bäume zu legen. Im Gegensatz zu einem Friedhof  ist  der  Wald auch nicht fein säuberlich herausgeputzt. „Äste liegen wild herum, und zwischen den Bäumen der Toten gibt es Feuerstellen. Eine    Frau reitet mit ihrem Pferd vorbei, und Hunde der Spaziergänger verrichten ihr Geschäft an den Baumstämen“,  berichtet die „Zürcher Zeitung“ diesen Sommer von Beobachtungen in einem Friedwald in Zürich.

Preisbeispiel

Umsonst ist die Ruhestätte in der Natur freilich nicht zu bekommen. Im Friedwald in Schwaigern beispielsweise kostet ein Familienbaum zwischen 3350 und 6350 Euro. Die Kosten für eine Beisetzung im Wald liegen bei 275 Euro.

 

Autor: Andreas Tschürtz

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